»Löschmoratorium« der Afghanistanakten

Gemeinsame Stellungnahme von Bundesarchiv, VdA und VHD.

Damit ein künftiger Untersuchungsausschuss einmal nachvollziehen kann, wer in der Bundesregierung was zu welchem Zeitpunkt der Afghanistan-Krise wusste und entschied, fordern die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag, alle Akten und Daten dazu zu sichern. Im Auswärtigen Ausschuss des Parlaments hat der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour darum beantragt, umgehend ein Moratorium für die Löschung von Daten, die Vernichtung von Akten sowie anderer Datenträger zu erlassen, die das Thema Afghanistan betreffen. So sollen Daten gesichert werden, die mit dem Abzug aus Afghanistan und dem Schutz wie der Rettung von afghanischen Ortskräften und anderen besonders schutzbedürftigen Personen zu tun haben – und zwar über die Bundestagswahl im September 2021 hinaus. – Union, SPD und AfD lehnten Nouripours Vorstoß hingegen ab.


Abb.: Gedenken an verstorbene Abgeordnete im Plenarsaal während der Sondersitzung des Deutschen Bundestages zu den TOP Aufbauhilfegesetz 2021, Feststellung des Fortbestands der epidemischen Lage von nationaler Tragweite und Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur militärischen Evakuierung aus Afghanistan (Ort: Reichstagsgebäude, Plenarsaal, Berlin / DeutschlandAufgenommen: 25. August 2021, 12:10 Uhr, Bildnummer: 5004103; Fotograf/in: Thomas Köhler / photothek.net ).

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. und das Bundesarchiv fordern eine größere Sorgfaltspflicht bei der Aktenabgabe:

Die jüngste Auseinandersetzung über die Afghanistankrise hat im Bundestag die Forderung nach einem Löschmoratorium zugehöriger Akten aufkommen lassen. Dieses Moratorium wurde im Bundestag abgelehnt. Über diesen Einzelfall hinaus berührt es die für eine Demokratie zentrale Frage, ob und wie für politische Entscheidungsprozess wichtige Mitteilungen (in Form von E-Mails, Chats oder Textnachrichten) überliefert werden. Prinzipiell sind die Vorgaben des Bundesarchivgesetzes für die Archivierung von Dienstakten und Kommunikationsmedien ausreichend. Allerdings fehlt es an dem Bewusstsein, dass auch über Messengerdienste ausgetauschte Informationen nach dem Gebot der Aktenmäßigkeit der Verwaltung in den Dienstakten zu dokumentieren sind. Somit unterliegen SMS oder vergleichbare Kommunikationsformate einer zumindest mittelbaren Anbietungspflicht. Hier entsteht in der Praxis jedoch ein großes Defizit in der Umsetzung, wie an Fällen in der jüngeren Vergangenheit deutlich wurde (etwa Umgang mit den Handydaten der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen). Der Legislaturperioden-Wechsel mit der Wahl am 26. September 2021 führt darüber hinaus zu einer Zäsur in der Aktenführung. Vor allem elektronische Daten (E-Mails, SMS, Messenger-Nachrichten) in den Ressorts sowie im Bundeskanzleramt rund um das Thema Afghanistan müssen deshalb jetzt durch ein Löschmoratorium gesichert werden.

Um wichtige Themen wie die Afghanistankrise aufarbeiten zu können, sind auch spätere Historikerinnen und Historiker zwingend auf die Rekonstruktion der internen Kommunikation angewiesen, auch wenn sie digital geschieht. Der VHD, der VdA und das Bundesarchiv möchten sich deshalb dem geforderten Löschmoratorium mit Nachdruck anschließen. Diese Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für jede wissenschaftliche historische Erforschung und Aufarbeitung. Vor allem möchten wir eine sachliche generelle öffentliche Diskussion über den Umgang mit flüchtigen Kommunikationsformen bei der Dokumentation von Regierungs- und Verwaltungshandeln und die oft mangelhafte Qualität und Lückenhaftigkeit der Dienstakten anstoßen. Wenn zentrale Informationen zum Verständnis politischer Prozesse dauerhaft verloren gehen, weil eine angemessene Dokumentation unterblieben ist, wird eine spätere abgewogene Rekonstruktion und Bewertung demokratischer Verfahren, die Gerüchten entgegentritt, kaum möglich sein.

Eva Schlotheuber, Vorsitzende VHD
Ralf Jacob, Vorsitzender VdA
Michael Hollmann, Präsident Bundesarchiv

Link: Download der Gemeinsamen Stellungnahme

Quelle: VdA, Gemeinsame Stellungnahme von Bundesarchiv, VdA und VHD, 10.9.2021; Süddeutsche Zeitung, 27.8.2021

Neue Leiterin des Stadtarchivs Gütersloh

Am 1.9.2021 hat Julia Kuklik (22) die Nachfolge von Stephan Grimm angetreten, der im Frühjahr dieses Jahres als Leiter des Stadtarchivs Gütersloh in den Ruhestand gegangen ist. Für die gebürtige Bielefelderin ist dies die erste Stelle nach ihrem dreijährigen Vorbereitungsdienst aus Theorie und Praxis zur Archivinspektorin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und in der Archivschule Marburg. Aber Geschichte, die Bedeutung von Quellen und die Erkenntnisse, die sich daraus gewinnen lassen, haben schon vorher ihre Interessen bestimmt.


Abb.: Frischer Wind im Stadtarchiv Gütersloh: (v.l.) Julia Kuklik hat die Leitung in der Molkestraße übernommen. Kultur-Beigeordnete Andreas Kimpel und Kultur-Fachbereichsleiterin Lena Jeckel freuen sich auf die Zusammenarbeit (Foto: Stadt Gütersloh).

„Wir freuen uns sehr, dass sich Julia Kuklik unter 18 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen konnte”, betonte der städtische Kultur-Beigeordnete Andreas Kimpel bei der Vorstellung der neuen Stadtarchivarin. Erst einen Tag vor Amtsantritt in Gütersloh hatte die 22-Jährige ihr duales Studium mit einer Abschlussprüfung erfolgreich beendet. „Mit ihr bekommen wir jungen, frischen Wind in unser Stadtarchiv. Wir glauben, dass uns mit jemanden wie Julia Kuklik, die neu in die Archivarbeit einsteigt, viele tolle Chancen und Perspektiven geboten werden.“

Schon in ihrer Schulzeit hat Julia Kuklik ein Praktikum im Stadtarchiv Bielefeld absolviert. Nach dem Abitur 2017 ging der Weg dann genau in dieser Richtung weiter: ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Kreiszentralarchiv Warendorf und dann der dreijährige Vorbereitungsdienst beim LWL in Münster sowie an der Archivschule in Marburg.

„Das Archiv sehe ich gleichermaßen als Ort des kulturellen Gedächtnisses sowie als Partner für Kultur- und Bildungseinrichtungen und als Dienstleister für Bürger, Bürgerinnen und Verwaltung,“ fasst die neue Stadtarchivarin ihr Aufgabengebiet zusammen. Deshalb werde eine ihrer ersten Aufgaben der Kontakt zu den Schulen und die Aktivierung der Bildungspartnerschaften sein, die das Stadtarchiv mit zurzeit drei Schulen der Stadt unterhält. Und auch innerhalb der Stadtverwaltung sind gemeinsame Projekte in Planung: „Gemeinsam im Fachbereich Kultur haben wir uns bereits ausgetauscht“, berichtet Fachbereichsleiterin Lena Jeckel. „Gemeinsame Projekte ergeben sich innerhalb der Erinnerungskultur oder der Geschichtswerkstatt. Ich bin mir sicher, mit Julia Kuklik haben wir eine sehr gute Partnerin gefunden.”

Ein großes Projekt, in das auch das Stadtarchiv Gütersloh eingebunden sein wird, steht zur Vorbereitung des 200-jährigen Stadtjubiläums 2025 an: Der Ausschuss für Kultur und Weiterbildung der Stadt Gütersloh hat im Frühjahr 2021 mit seiner Zustimmung zum Haushalt 2021 des städtischen Fachbereichs Kultur grünes Licht für die Fortschreibung der Geschichte der Stadt Gütersloh (in einem zweiten Band) gegeben. „Gütersloh besitze im Jahr 2025 seit 200 Jahren die Stadtrechte“, erläutert Kulturdezernent Andreas Kimpel. „Dieses markante Jubiläum mit einer historischen Wegmarke bietet die Möglichkeit für die Stadt Gütersloh, sich der eigenen Geschichte zu stellen und diese in allen Facetten fachwissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten. Zudem erscheint ein Lernen aus der eigenen Geschichte aktuell wichtiger denn je, nicht zuletzt angesichts der Zunahme von Populismus und des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft.“ Und, so betont Andreas Kimpel: „Die Geschichte der Stadt ist zugleich eine Geschichte ihrer Bürgerinnen und Bürger!“ Und genau deshalb werden sie bald aufgerufen, sich mit einzubringen in das Projekt.

Im Auftrag der Stadt Gütersloh erarbeiten das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster und die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Prof. Dr. Thomas Großbölting) gemeinsam das Projekt. „Wir sind Feuer und Flamme für dieses Projekt“, freut sich Malte Thießen, Leiter des LWL-Instituts. „Gütersloh nimmt damit eine Vorreiter-Rolle ein.“ Denn: Thießen ist keine Stadt in Deutschland bekannt, die ihre Geschichte seit 1945 bis ins 21. Jahrhundert hinein systematisch wissenschaftlich aufgearbeitet und publiziert hätte. „Die jüngere und jüngste Vergangenheit ist traditionell eher nicht im Blick von Historikern“, sagt der 46-Jährige. Die Quellenlage ist dünn – über die gerade erst zurückliegenden drei, vier Jahrzehnte gibt es kaum Material in Archiven und Museen.

Das stellt auch das Team der beiden Institute in Gütersloh vor Herausforderungen. Umso wichtiger sind daher die Bürgerbeteiligung und der Austausch mit Zeitzeugen. Ein fester Bestandteil des Forschungsprojekts werden öffentliche Veranstaltungen wie Erzählcafés und Geschichtswerkstätten sein – Formate, die der städtische Fachbereich Kultur bereits erfolgreich etabliert hat und sowohl digital wie analog anbietet. „Auch in diesem Punkt leisten wir zusammen mit der Stadt Pionierarbeit“, betont Prof. Malte Thießen. „Einerseits dient der Austausch mit den Gütersloherinnen und Güterslohern dazu, sie über unsere Arbeit und die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, auf dem Laufenden zu halten. Und andererseits brauchen wir das Gespräch, um Konkretes aus der jüngeren lokalen Vergangenheit zu erfahren. Daraus können sich Themenfelder ergeben, die wir sonst gar nicht auf dem Schirm hätten. Nur so können wir Gesellschaftsgeschichte schreiben!“ Lena Jeckel, Leiterin des Fachbereichs Kultur, in dem die Fortschreibung der Stadtgeschichte angesiedelt ist, bekräftigt: „Unser gemeinsames Ziel ist eine möglichst breite Überlieferung der Stadtgeschichte. Viele Menschen können zu diesem Projekt ein Stück beitragen und ich bin auch überzeugt, dass viele mitmachen möchten. Wir machen gerade jetzt in der Pandemie-Zeit die Erfahrung, dass Angebote und Beteiligungsformate sehr gut angenommen werden. Es besteht ein großes Interesse an Mitwirkung.“

Die beauftragten Historiker haben für das Projekt drei Themenschwerpunkte ausgemacht, die widerspiegeln, was Gütersloh seit Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt hat: Unternehmen in Gütersloh; Die Stadt in Bewegung – Wandel sozialer Milieus und Kulturwandel; Die Briten in Gütersloh. Mit den Vorrecherchen wurde begonnen, Kontakte zum Stadtmuseum Gütersloh und zum Stadtarchiv Gütersloh bestehen.

Julia Kukliks dortiger Vorgänger Stephan Grimm hat ein gut bestelltes Feld im Haus an der Moltkestraße hinterlassen, das mit zeitgemäßer Ausstattung, einem kleinen engagierten dreiköpfigen Team mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie großzügigen und gut ausgestatteten Räumen die Voraussetzungen eines modernen Archivs bietet, das Lokalgeschichte nicht nur archivieren, sondern vermitteln und in seiner Bedeutung für Gegenwart und Zukunft erlebbar machen will. Durch die räumliche Zusammenlegung von Stadt- und Kreisarchiv Gütersloh an dieser Stelle sind zudem inhaltliche und organisatorische Synergien bei der Arbeit möglich. Das betrifft auch die Zukunftsaufgaben, die Julia Kuklik nun angehen wird: Aufbau und Führung eines digitalen Langzeitarchivs als digitales Gedächtnis der Stadt.

Kontakt:
Stadtarchiv Gütersloh
Frau Julia Kuklik
Moltkestraße 47
33330 Gütersloh
Tel+49 5241 / 82-2302
julia.kuklik@guetersloh.de

Quelle: Stadt Gütersloh, Pressemitteilung, 8.9.2021; Stadt Gütersloh, Pressemitteilung, 23.3.2021

100 Jahre Historisches Archiv des Erzbistums Köln

Mit einem Festakt mit geladenen Gästen ist das 100-jährige Bestehen des Archivs des Erzbistums Köln am 19.8.2021 gewürdigt worden. Zu Gast waren neben dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auch Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, sowie Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs.


Abb.: Festakt 100. Jubiläum Historisches Archiv; Birgitt Schippers im Gespräch mit (von links) Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, mit Damian van Melis von der Irene und Sigurd Greven Stiftung und Marc von der Höh vom Historischen Institut der Universität Rostock über den Wert und die Herausforderungen heutiger Archive (Foto: Robert Boecker).

„Völlig zu Recht rühmt sich das Archiv damit, das ‚Langzeitgedächtnis des Erzbistums Kölns‘ zu sein“, sagte Kardinal Woelki in seiner Begrüßung. „Neben aller rein historischen Forschung, die das Historische Archiv des Erzbistums Köln ermöglicht, wirkt es […] identitätsbildend für die Menschen, für die Gesellschaft und die Kirche. Unser Historisches Archiv gibt es nun seit 100 Jahren. Im Verhältnis zu den Quellen, die es birgt, mag das eine kurze Zeitspanne sein. Und doch: 100 Jahre – das ist eine Zeitspanne, die sich unserer persönlichen Erinnerung entzieht. Das ist eine Zeitspanne, die selbst schon wieder zur Erforschung einlädt.“

Auch die nordrhein-westfälische Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen hob hervor: „Archive sichern Kontinuität von historischen Verläufen und Erfahrungen“. Die Arbeit, die hier geleistet werde, sei von großem Wert für das kollektive und kulturelle Gedächtnis des Landes und der Bundesrepublik. „Archive machen Geschichte erlebbar und begreifbar“, so die Ministerin.

Jazzig vertonte geistliche Stücke vom Luis Weiß Quartett brachten nicht nur die Füße der Gäste in Schwingung, sondern vermutlich auch die Regale genau zu ihren Füßen, denn der Festakt fand im Innenhof des Archivs statt.
In einer munteren Runde, moderiert von Birgitt Schippers vom Domradio, diskutierte Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, mit Damian van Melis von der Irene und Sigurd Greven Stiftung und Marc von der Höh vom Historischen Institut der Universität Rostock über den Wert und die Herausforderungen heutiger Archive. Sie beschrieben, wie sich die Archivarbeit durch die zunehmende Digitalisierung von Archivalien verändert. Alle drei betonten die korrigierende Funktion der Forschung im Archiv. „Sie können leicht die Erfahrung machen, dass sie im Archiv eines Besseren belehrt werden“, so Hollmann. Selbst eigene biografische Erinnerungen könnten im Archiv widerlegt werden.


Abb.: Begrüßungsrede des Leiters des Archivs, Dr. Ulrich Helbach (Foto: Robert Boecker)

Dr. Ulrich Helbach, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums bedankte sich besonders herzlich bei seinen Mitarbeitenden, acht Frauen und fünf Männern und sagte: „Archivare wirken jeweils eine Wegstrecke weit. Wir sind stolz, den Schatz zu formen, zu hüten und in die Zukunft zu tragen.“

Das Historische Archiv des Erzbistums Köln
Vor 100 Jahren, im August 1921, begann das Historische Archiv seine Arbeit. Es wurde von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte als Stätte historischer Forschung gegründet. Das Archiv enthält wichtiges Quellenmaterial ab dem Jahr 942 zum gesamten Erzbistum – zu Köln ebenso wie zu Düsseldorf, genauso wie beispielsweise zu Bonn, Neuss, Zülpich oder Gummersbach.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Historische Archiv außer den Urkunden-, Amtsbuch- und Aktenbeständen des Generalvikariates die meisten der ins Mittelalter zurückreichenden Pfarrarchive der Kölner Innenstadt. Vor allem seit den 1980er Jahren hinterlegten hier wichtige katholische Einrichtungen, Vereine und Verbände ihre Archive. Mittlerweile beherbergt das Archiv Schriftgut im Umfang von knapp zehn Regalkilometern, darunter circa 5.300 Urkunden aus der Zeit seit dem Jahre 942. Damit ist das Archiv das Langzeitgedächtnis des Erzbistums Köln und eines der größten kirchlichen Archive in Deutschland.


Abb.: Urkunde aus der Pfarrei St. Kolumba aus dem Jahr 1212. Sie beschreibt die Wahl eines Pfarrers, damals wurden Pfarrer noch gewählt. Die Kirche existiert heute nicht mehr, sie ist im Krieg zerstört worden. Heute steht dort das Museum Kolumba (Foto: Erzbistum Köln/ Modanese).

Der Initiative der damaligen Archivare ist es zu verdanken, dass rechtzeitig und planmäßig vor den Bombenangriffen auf Köln im Zweiten Weltkrieg große Bestände an Archivgütern vor allem nach Westfalen ausgelagert und gesichert werden konnten.
Hunderttausende Dokumente lagern in den kilometerlangen Archivgängen des Historischen Archivs, bis zu vier Stockwerke tief unter der Erde. Auch die Nachlässe der Kölner Erzbischöfe werden hier verwahrt – wie zum Beispiel ein Ehrendoktorhut und der Talar des Kölner Erzbischofs Höffner.

Sofern die Archivgüter einen Bezug zu Kirche und kirchlichem Leben haben, finden auch weltliche Nachlässe Platz im Archiv. So finden sich hier beispielsweise auch die Nachlässe der Kölner Architekten Rolf Schwarz, Fritz Schaller oder Hans Schilling, die bei vielen Kirchenbauten mitgewirkt haben. Die Archivare müssen jeweils fachkundig entscheiden, welche Unterlagen archivwürdig sind, das heißt für die Nachwelt aufgehoben werden müssen.

Seit einigen Jahren arbeitet das Team des Historischen Archivs daran, dass auch die digitalen Akten aufgenommen, bewertet, manipulationssicher gespeichert und abrufbar gemacht werden. Außerdem versucht man, vielgefragte oder sehr fragile Dokumente durch die Digitalisierung offen zugänglich zu machen und gleichzeitig zu schützen. Das sind zunächst vor allem die Kirchenbücher und alte Amtsprotokolle der Generalvikare. Eine Herausforderung ist auch die Digitalisierung archivierter Fotos, die mit Hilfe der Greven-Stiftung digitalisiert und zugänglich gemacht werden.

Kontakt:
Historisches Archiv des Erzbistums Köln
Gereonstr. 2-4
50670 Köln
Tel.: 0221 1642 5800
Fax: 0221 1642 5803
archiv@erzbistum-koeln.de
www.erzbistumsarchiv-koeln.de

Quelle: Erzbistum Köln, Pressemitteilung, 20.8.2021

Beteiligung von Archiven bei der elektronischen Schriftgutverwaltung

LVR-AFZ nimmt Masterarbeit von Frechener Archivleiter Hendrik Mechernich in die Reihe „Archivistik digital“ auf.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat in den vergangenen Jahren zunehmend Fahrt aufgenommen. Die Nutzung von digitalen Dokumenten, welche vollautomatisch bearbeitet und abschließend abgelegt werden, ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereits fester Bestandteil des beruflichen Alltags. Ein zentraler Baustein für die digitale Arbeitswelt stellen Dokumentenmanagementsysteme (DMS) dar.

Da die Einführung und die letztliche Nutzung des DMS einen großen Einfluss auf die Schriftgutverwaltung und insbesondere die spätere Archivierung der digitalen Daten hat, sind Archive an einer aktiven Beteiligung bei der DMS-Einführung sehr interessiert. Wie die Unwetterkatastrophe Mitte Juli 2021 nochmals vor Augen geführt hat, sind elektronische Aktenführung und Digitalisierung nur dann krisensicherer als herkömmliche „Papierakten“, wenn sie gemäß archivfachlicher Standards erfolgen.

Abb.: Dr. Gregor Patt (LVR-AFZ), Hendrik Mechernich und Johannes Thomé (LVR-AFZ) (v.l.n.r.) anlässlich der Vorstellung der Publikation im Stadtarchiv Frechen (Foto: Santina Nicolosi, Stadt Frechen).

Der Leiter des Stadtarchivs Frechen, Hendrik Mechernich, hat sich im Zuge seines Studiums der Archivwissenschaften an der Fachhochschule Potsdam, das er von 2017 bis 2020 während seines Volontariats beim LVR-AFZ absolviert hat, intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Im Fokus stehen die Archive des Rhein-Erft-Kreises. Neben der Ist-Analyse soll die Arbeit insbesondere kleineren und mittleren Archiven als Hilfsmittel bei der DMS-Einführung dienen. Zu diesem Zweck hat das LVR-AFZ die Arbeit als fünften Band in die Reihe „Archivistik digital“ aufgenommen. Ein Abruf ist online kostenlos hier möglich:

Info:
Hendrik Mechernich:
Archivische Beteiligung bei DMS-Einführungsprojekten. Ein Vergleich anhand ausgewählter Archive des Rhein-Erft-Kreises,
Archivistik digital Bd. 5
Landschaftsverband Rheinland Köln, 2021

Kontakt:
Stadtarchiv Frechen
Archivleiter Hendrik Mechernich M.A.
Hauptstraße 110-112
50226 Frechen
Tel.: 02234/ 501-1239
archiv@stadt-frechen.de
https://www.stadtarchiv-frechen.de/

LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Postfach 2140
50250 Pulheim
Tel 02234 9854-225
Fax 02234 9854-202
AFZ.Archivberatung@lvr.de

Quelle: Stadt Frechen, Pressemitteilung.

Handwerker-Meisterstücke im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

Wer Handwerksmeister werden möchte, muss zuvor ein Meisterstück anfertigen. Diese Voraussetzung besteht bereits seit langer Zeit, wie auch einige Zeichnungen aus dem baden-württembergischen Stadtarchiv Villingen-Schwenningen bestätigen können. Die Zeichnungen skizzieren sehr detailliert den Entwurf des Meisterstücks. Sie kamen nach Auflösung der Zünfte und Einführung der Gewerbefreiheit 1862 in städtischen Besitz und so ins Stadtarchiv. Unter anderem gibt es sieben Konvolute der Schreinerzunft aus den Jahren 1735 bis 1859.


Abb.: Eine Zeichnung von Gustav Singer aus dem Jahr 1851, die zum Skizzieren seines Meisterstücks diente (Foto: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen)

Das Archivale des Monats September 2021 stammt aus einer Mappe mit 16 Stücken aus der Zeit zwischen 1821 und 1859. Gustav Singer zeichnete am 6. September 1851 einen Tisch und eine Kommode. Auf dem 47,8 x 63,8 cm großen Blatt fertigte Singer mit der Feder die Seitenansicht und Konstruktion des Tisches sowie die Vorder- und Aufsicht sowie einen Schnitt der Kommode an. Bei letztgenannter Darstellung ist als Detail die Funktion der oberen Seitenschubladen hervorgehoben. Gustav Singers Arbeit ist sehr sorgfältig ausgeführt

Die Meisterzeichnungen unterlagen bestimmten Vorgaben der Zunft. Im Vergleich sind alle Kommoden seit 1824 gleich aufgebaut und unterschieden sich höchstens in kleinen Schmuckelementen.


Abb.: „Der Tischler“ (aus: Was willst du werden Was willst du werden? Bilder aus dem Handwerkerleben, Berlin um 1880)

Während die Zünfte auf Stadtebene lokal organisiert waren, überschritten die Vereinigungen der Schreiner- resp. Tischlergesellen diesen engen Rahmen und agierten bei Auseinandersetzungen um Lohn, Arbeitsbedingungen und Fragen der Standesehre mit der Unterstützung ihrer überregionalen Mobilisierungsmöglichkeiten. Kampfmittel waren Streiks in der Form des Auszuges aus der Stadt, vor allem aber „Verrufe“, Schimpfbriefe, die die Betroffenen sozial isolierten und ökonomisch schädigten, indem sie diese zum Beispiel von der Versorgung mit neuen Arbeitskräften abschnitten. Vor allem im 18. Jahrhundert eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den Meistern und Gesellen des Schreinerhandwerks in zahlreichen, teils heftigen Zwischenfällen.

Die Schreinerzünfte wurden unter der napoleonischen Herrschaft, wie die anderen Zünfte auch, per Dekret aufgehoben. Nach der Niederlage Napoleons wurden die Zünfte wieder eingesetzt – allein wichtige Vorrechte, wie die Zulassung zur Meisterprüfung und ihre Regulierung, z.T. auch die Beschränkung der Beschäftigtenzahl, wurden in vielen deutschen Staaten nicht mehr durchgesetzt. In den 1860er Jahren wurde mit der Einführung der Gewerbefreiheit in den meisten deutschen Staaten das Zunftwesen aufgelöst und die Gesetze der Marktwirtschaft beherrschten auch den Bereich des Tischlerhandwerks.

Kontakt:
Amt für Archiv und Schriftgutverwaltung
Winkelstraße 7, Bau D, 3. OG
78056 Villingen-Schwenningen

Abteilung Stadtarchiv
Lantwattenstraße 4
78050 Villingen-Schwenningen

Postanschrift:
Postfach 12 60
78002 Villingen-Schwenningen

Tel.: 07721 / 82-1810
Fax: 07721 / 82-1817
stadtarchiv@villingen-schwenningen.de
archivbibliothek@villingen-schwenningen.de

Quelle: Stadt Villingen-Schwenningen, Archivale des Monats, 6.9.2021; Art. „Tischler„, in: Wikipedia, 29.8.2021; Christian Zander: Das Tischlerhandwerk in Deutschland (1350-1870), Hamburg 2013; Reinhold Reith, Andreas Grießinger, Petra Eggers: Streikbewegungen deutscher Handwerksgesellen im 18. Jahrhundert, Göttingen 1992.

Neuer Standort für das Staatsarchiv des Kantons St. Gallen geplant

Das Staatsarchiv des Kantons St. Gallen befindet sich heute an drei Standorten in der Stadt St. Gallen. Nun sollen die Räume an einem neuen Standort zusammengefasst werden. Vorgesehen ist der Standort Waldau, der aktuell ein Studienzentrum der Ostschweizer Fachhochschule (OST) beinhaltet. Der Einzug des Staatsarchivs soll im Jahr 2028 erfolgen.

Die vorberatende Kommission, unter dem Vorsitz von Katrin Schulthess aus Grabs liess sich durch die Räumlichkeiten des Staatsarchivs führen und über die Platz- und Betriebsverhältnisse informieren. Die Kommission anerkennt, dass die Verteilung auf drei Standorte zusätzlichen Betriebsaufwand verursacht. Bei der Begehung wurde ersichtlich, dass am Hauptstandort kein effizienter Betrieb mehr möglich ist. Der Raum- und Erneuerungsbedarf ist ausgewiesen.


Abb.: Staatsarchiv des Kantons St.Gallen (Foto: sg.ch)

Die Kommission begrüsst das vorgesehene Projekt auf dem kantonseigenen Grundstück am Schönauweg 4 («Waldau») in St.Gallen. Der Standort Waldau wird in den nächsten fünf Jahren erneuerungsbedürftig; darüber hinaus ist der Auszug des Studienzentrums der OST aufgrund ungenügender Grösse und baulicher Struktur ohnehin angezeigt. Damit der Umbau plangemäss beginnen kann, hat die OST bis Mitte 2024 eine Ersatzlösung zu finden. Die vorberatende Kommission interessierte sich unter anderem für mögliche Standorte der Ersatzlösung, für deren Ausbau der Kanton einen Investitionsbeitrag von 8,3 Millionen Franken vorsieht.

Der Kantonsrat berät die Vorlage in der kommenden Septembersession in erster Lesung und voraussichtlich in der Novembersession 2021 in zweiter Lesung. Stimmt der Kantonsrat dem Vorhaben zu, folgt im Mai 2022 die Volksabstimmung über den Gesamtkredit von 44,3 Millionen Franken. Mit der Fertigstellung des Bauvorhabens ist 2028 zu rechnen. Die Botschaft und der Entwurf sind im Ratsinformationssystem www.ratsinfo.sg.ch unter der Geschäftsnummer 35.21.01 zu finden.

Das Staatsarchiv St. Gallen archiviert alle politisch, rechtlich, administrativ und historisch wichtigen Informationen staatlichen Handelns des Kantons St. Gallen. Seit der Kantonsgründung im Jahr 1803 wurden historische Urkunden, Akten und Schriftgut von Behörden und Verwaltung an wechselnden Orten im Regierungsgebäude oder in diversen Aussenmagazinen gelagert. Im Jahr 1978 konnte das Staatsarchiv zusammen mit dem Kantonsgericht und dem Stiftsarchiv den umgebauten und erweiterten Nordflügel des Regierungsgebäudes (Klosterhof 1) beziehen. Seit dem Jahr 1983 gehört die Liegenschaft Klosterhof 1 als Teil des Stiftsbezirks zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Gebiet des heutigen Kantons St.Gallen setzte sich vor 1798 aus zwölf selbständigen „Staaten“ zusammen. Der Fürstabt von St. Gallen und die alteidgenössischen Orte waren die bedeutendsten Landesherren. Ihre Verwaltungstätigkeit hat bis heute Spuren in der Archivlandschaft hinterlassen. Das Archivwesen der ehemaligen eidgenössischen Landvogteien ist recht kompliziert. Im Staatsarchiv St. Gallen liegen nur Teile der Archivalien dieser Regionen. Wer sich über die Geschichte dieser Gebiete orientieren will, muss auch die Archive der früheren Herrschaftsorte besuchen. Bis heute fehlt eine Übersicht sanktgallischer Archivbestände aus der Zeit vor 1798 in anderen Schweizer Archiven.

Kontakt:
Staatsarchiv St.Gallen
Regierungsgebäude
Klosterhof 1
9001 St.Gallen
+41 (0) 58 229 32 05
www.sg.ch/kultur/staatsarchiv

Quelle: Kanton St. Gallen, Pressemitteilung, 2.9.2021; 35.21.01 Kantonsratsbeschluss über den Bau des neuen Staatsarchivs des Kantons St.Gallen am Standort Waldau in St.Gallen und über einen Kantonsbeitrag für den Ersatz des Studienzentrums Waldau der Ost – Ostschweizer Fachhochschule

Stadtarchiv Moers sendet Podcast zu jüdischer Schule

Neue Wege zur Vermittlung von Geschichte geht das Stadtarchiv Moers. In einem dreiteiligen Podcast schildern die Stadtarchivarinnen Daniela Gillner und Alena Saam die Entwicklung der jüdischen Schule in Moers. Der Podcast ist ab Montag, 6. September 2021, auf der Internetseite der Stadt Moers als Download abrufbar. Er ist Rahmen der Moerser Beiträge zur Veranstaltungsreihe ‚1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland‘ entstanden. „Wir wollten das Thema coronakonform umsetzen und eine der zahlreichen Facetten jüdischen Lebens in Moers aufzeigen“, erläutert Daniela Gillner, Leiterin des Stadtarchivs.


Abb.: Die jüdische Volksschule in Moers ist Thema des Podcasts des Stadtarchivs Moers. Sie war von 1899 bis 1932 am Neumarkt 8 zu finden. Danach begann eine Odyssee an Raumwechseln, die schließlich in einer Baracke in der Matthecksiedlung endete. (Foto: Stadtarchiv Moers)

Wichtig sei es den Macherinnen auch gewesen, einen etwas ‚leichteren‘ Aspekt des Judentums in Moers darzustellen, als beispielweise die Auswirkungen der Shoah in der Grafenstadt zu schildern. Neben den Dialogen der beiden Archivarinnen ist auch jüdische Musik zu hören, wie zum Beispiel ein altes jiddisches Kinderlied. Die technische Umsetzung ist im Studio des Bürgerfunk entstanden.

Nationalsozialisten trennten Schüler
Teil 1 des Podcasts startet mit den ersten Jahren der Schule, die von 1850 bis 1875 privat betrieben und damit selbst finanziert war. „Dadurch war es schwierig Lehrerinnen und Lehrer zu bekommen, weil sie kaum bezahlt werden konnten“, erklärt Gillner. Jüdische Schüler konnten zwar damals christliche Schulen besuchen, konnten dort aber keine jüdischen Feiertage begehen. Zudem war das damalige 6-Tage-System problematisch für den Sabbath, der jüdischen Menschen samstags keine Arbeit erlaubt. Die beiden Räume der Schule befanden sich anfangs in der Synagoge in der Friedrichstraße, die 1818 gegründet wurde.

Im zweiten Teil geht es um die Zeit ab 1887, in der die Schule von der Stadt anerkannt und finanziert wurde. Dadurch stiegen die Qualität der Lehre und die Zahl der Schülerinnen und Schüler. Die jüdische Schule in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet der dritte Teil des Podcasts. Das Perfide war, dass die Nationalsozialisten die Schule bis 1941 erhalten haben, um die jüdischen und ‚arischen‘ Schüler zu trennen. Sie wurde aber aus der Innenstadt gedrängt und war zum Schluss in einer Baracke in der Mattheck untergebracht.


Weitere Informationen und einen aktuellen Veranstaltungskalender zu der Reihe ‚1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland‘ gibt es auf der Internetseite 1700Jahre.moers.de

Kontakt:
Stadtarchiv Moers
Leitung Daniela Gillner
Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum
Wilhelm-Schroeder-Straße 10
47441 Moers
Telefon: 0 28 41 / 201-737
Telefax: 0 28 41 / 201-760
Stadtarchiv@Moers.de

Quelle: Stadt Moers, Pressemitteilung, 2.9.2021

Dreharbeiten im Stadtarchiv Bad Waldsee

Am 20.8.2021 fanden Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Lange Schatten des Schweigens – eine deutsch-niederländische Fami­liengeschichte im Kontext von Judenverfolgung, Besatzung, Nationalsozialismus und Wider­stand“ im Stadtarchiv Bad Waldsee statt. Der Sozialpädagoge Prof. Dr. Rudolph Leiprecht von der Universität Oldenburg, der 1955 in Bad Waldsee geboren wurde, hat mit einem niederländischen Filmteam den Stadtarchivar von Bad Waldsee, Michael Tassilo Wild, interviewt und sich histo­rische Dokumente präsentieren lassen.

Das Projekt entstand aus einer Forschungsarbeit heraus und zeigte den Weg einer Familie zwischen Verfolgung in der NS-Zeit und Aufarbeitung in der jungen Bundesrepublik. Zahl­reiche Zeugnisse aus dem Wald­seer Stadtarchiv und anderen Einrichtungen, wie der Gedenk­stätte in Auschwitz, illustrieren diesen eindrucksvoll.

Es ist geplant, den fertigen Film 2022 in Kooperation mit der Seenema-Genossenschaft in Bad Waldsee vorzuführen.

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Waldsee
Stadtarchivar Michael Tassilo Wild
07524 49851
Klosterhof 3
m.wild@stadtarchiv-bad-waldsee.de

Quelle: Stadt Bad Waldsee, Pressemitteilung, 3.9.2021

Eröffnung des Archivneubaus in Köln

Rund zwölf Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln in der Kölner Südstadt wird am 3. September 2021 der Neubau für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln am Eifelwall feierlich eröffnet. Der Festakt wird live gestreamt. Interessierte sind eingeladen, ihn am Freitag, 3. September 2021 ab 15.30 Uhr auf der Westtribüne des RheinEnergie Stadions bei Imbiss und Umtrunk zu verfolgen. Eine Anmeldung ist erforderlich.


Abb.: Der Neubau des Historischen Archivs der Stadt Köln (Foto: Stadt Köln)

Dem Festakt zur Eröffnung folgt eine Informationswoche für die Öffentlichkeit. Vom 4. bis 10. September 2021 werden täglich mehrere kostenlose Führungen durch den Neubau angeboten. Am Eröffnungswochenende wird zudem der Kölner Männergesangsverein eigens für die Eröffnung des Archivgebäudes erstellte Kurzaufführungen im Neubau präsentieren. Die kostenlosen Führungen können online gebucht werden.

Vom 3. bis 8. September 2021 jeweils ab Einbruch der Dunkelheit bis zum Einbruch der Dämmerung wird die Lichtinstallation von LichtKunstLicht die Fassade des Archivneubaus weithin sichtbar inszenieren. Die Choreographie zeichnet metaphorisch das Prinzip nach, das für Archive als Wissen strukturierende Einrichtungen im Allgemeinen und ganz besonders für das Historische Archiv der Stadt Köln nach dem Einsturz gilt: „Vom Chaos und Unordnung zu neuer Struktur und Ordnung“. Dazu werden Strahler auf dem Dach sowie im Innenhof platziert, die zunächst Lichtstrahlen als Streiflicht in unterschiedlichen Farben und Richtungen über die Metallfassade des „Schatzhauses“ senden. Im Laufe der Choreographie beruhigen sich die Bewegungen und Helligkeitsveränderungen hin zu einem geordneten, spiegelsymmetrisch zu den Gebäudeachsen ausgerichteten Lichtstrahlen in einheitlichem Warmweiß.

In viereinhalb Jahren Bauzeit hat man am Eifelwall Europas modernstes kommunales Archiv geplant und errichtet, in dem das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv ihre neue Heimat finden. Gebaut wurde nach den Plänen des Architekturbüros Waechter + Waechter Architekten aus Darmstadt. Eine hochkomplexe Gebäudetechnik sorgt für neun verschiedene Klimazonen, um für alle Archivalien optimale konservatorische Bedingungen zu gewährleisten. Zur effizienten Nutzung der Energie ist ein Eisspeicher mit 400.000 Litern Wasser im Erdreich verbaut worden.


Abb.: Der Lesesaal im neuen Historischen Archiv der Stadt Köln (Foto: Martina Goyert)

Von den insgesamt 14.492 Quadratmetern Nutzfläche stehen allein 8.800 Quadratmeter für den Magazinbaukörper mit mehr als 50 Regalkilometern und 460 Planschränken für das Archivgut zur Verfügung. Das Rheinische Bildarchiv bekommt weitere 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Zudem bietet der Neubau rund 150 Mitarbeitenden hochfunktionale Arbeitsplätze. Im Lesesaal stehen 45 Plätze für die Arbeit mit Archivgut der beiden Nutzerarchive zur Verfügung. Die Gesamtkosten für den Neubau Historisches Archiv und Rheinisches Bildarchiv betragen vorbehaltlich der noch ausstehenden Schlussrechnungen für die abschließenden Kostenfeststellung rund 90 Millionen Euro.

Beim Festakt zur Eröffnung des Neubaus für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln begrüßte Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Beisein von Baudezernent Markus Greitemann die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Die beiden Archivleiterinnen Dr. Bettina Schmidt-Czaia (Historisches Archiv Köln) und Dr. Johanna Gummlich (Rheinisches Bildarchiv) führten die Oberbürgermeisterin und die Umweltministerin durch das neue Archivgebäude.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Wie für mich war für viele Kölnerinnen und Kölner der 3. März 2009 ein schmerzlicher Tag. Menschen verloren ihr Leben –  viele ihr Zuhause. Und mit dem Archivgebäude war nicht irgendein Gebäude versunken, was schlimm genug gewesen wäre, mit dem Gebäude lag unser jahrtausendealtes Gedächtnis in Morast und Wasser unter einem Berg von Schutt und Trümmern begraben. Beim Blick in den Abgrund wurde uns in Köln bewusst, was ein Archiv für eine Gesellschaft wirklich bedeutet. Es dient eben nicht bloß der Wissenschaft. Es dient der Selbstverortung und Selbstvergewisserung. Aus der Gesamtheit der Quellen speist sich unsere Mentalität, auf die wir so stolz sind. Umso bedeutender ist es für die Stadt Köln, dass das neue Archiv vor allem als Bürgerarchiv wahrgenommen wird. Eine Narbe wird immer bleiben, aber versuchen wir, stolz zu sein, ein solch schickes, modernes, nachhaltiges und faszinierendes neues Archivgebäude in der Stadt zu haben.

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser:

Es ist ein ganz besonderes Gefühl, heute den Neubau des Historischen Archivs und des Rheinischen Bildarchivs einweihen zu können. Vor zwölf Jahren war ich tief erschüttert, nicht nur, weil ich Kölnerin bin. Der Schutt begrub Menschen, denen wir heute besonders gedenken. Und die Trümmer begruben einen Teil des Kölner Stadtgedächtnisses. Umso erfreulicher ist es, dass es gelungen ist, den Großteil der Archivalien zu bergen. Schritt für Schritt werden sie restauriert. Unter anderem durch die „Landeshilfe Substanzerhalt“ sowie digitale Techniken sind viele Bestände wieder zugänglich. Sie tragen zur Identitätsbildung, zum Selbstverständnis und zur Kultur der Stadt bei. Vielen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben, die historischen Schätze zu sichern und in dieses großartige moderne Gebäude zu überführen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten von diesem wundervollen neuen Angebot rege Gebrauch machen.

Die leitende Archivdirektorin Dr. Bettina Schmidt-Czaia, die selbst Zeugin des Einsturzes 2009 war, stimmt die Eröffnung des Archivneubaus zuversichtlich, nun vor allem nach vorn schauen zu können. Sie betont:

Den 3. März 2009 werde ich wie die meisten Kölner*innen niemals vergessen, aber die Freude über diesen Neubau macht den Schock und Schmerz dieses Tages mit seinen unzähligen Schäden erträglicher. Dem Architektenteam von Waechter + Waechter ist hervorragend gelungen, das, was ein Archiv ausmacht, in die Sprache und Ausstrahlung des Gebäudes umzusetzen. Unser Neubau hat eine ganz besondere Atmosphäre. Wir haben hier die besten Voraussetzungen, unserem Anspruch gerecht werden zu können, ein Bürgerarchiv zu sein.

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Eifelwall 5
50674 Köln
Postfach 10 35 64
50475 Köln
Telefon 0221 / 221-22327
Telefax 0221 / 221-22480
historischesarchiv@stadt-koeln.de

Quelle: Stadt Köln, PM Neueröffnung des Archivgebäudes, 2021; Stadt Köln, Pressemitteilung, 3.9.2021

Aus der Sammlung des Fotografen Hans Lachmann im Archiv der EKiR

Das Bildarchiv „Junge Republik“ wurde aus der Fotosammlung des Bildberichterstatters Hans Lachmann (1920-2006) im Archiv der Evangelischen Kirche in Rheinland (Signatur: 8SL 071) zusammengestellt. Der Nachlass des Fotografen liegt dem Archiv der EKiR mit allen Nutzungs- und Verwertungsrechten vor und ist nicht zuletzt deswegen eine Hauptquelle für dessen Online-Bildarchiv, wo die Digitalisate seiner Arbeiten öffentlich unter der Creative Commons-Lizenz BY-SA 3.0 DE zur Verfügung stehen.


Abb.: Bildarchiv „Die junge Republik“ (Foto: Archiv der EKiR)

Mit dem neuen Bildarchiv wurden nun auch Bilder digitalisiert, die nicht unmittelbar mit der Geschichte der evangelischen Kirche im Zusammenhang stehen. Hans Lachmann hat zwar Zeit seines Lebens für die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), ihre Gemeinden und ihre Vereine fotografiert, aber seine Sammlung ist weitaus vielfältiger. Als der Bildjournalist Hans Lachmann am 31. Juli 2006 in Monheim am Rhein verstirbt, hinterlässt er ein Erbe, mit dem sich noch Generationen nach ihm befassen werden. In seinem Nachlass befindet sich die bildliche Dokumentation eines halben Jahrhunderts, festgehalten auf rund einer halben Million Abzügen. Eine vom Düsseldorfer Archiv konzipierte virtuelle Ausstellung gibt einen guten Überblick über sein Schaffen und sein Werk aus beinahe 500.000 Elementen.


Abb.: Hans Lachmann beim „Aufbruch zu einer Reportage“ (Rückseite) (Foto: Archiv der EKiR)

In seiner mehr als 40jährigen Tätigkeit als Fotograf hat er die bewegten Zeiten der Bonner Republik seit den späten 1940er Jahren dokumentiert. Nicht nur die ersten Bildserien sind eindrucksvolle Zeitdokumente. Sie zeigen eilig zusammengezimmerte Flüchtlingslager für Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten oder spielende Kinder in Trümmerstädten, die mühsam wiederaufgebaut wurden. Beeindruckend ist auch der visuell nachvollziehbare Wandel der jungen Republik. Das Wirtschaftswunder und der Aufbruch der Jugend in den 1960ern, Individualisierung und Politisierung der Gesellschaft in den 1970ern, Technisierung und Protest in den frühen 1980er Jahren sind nur einige Beispiele für den Inhalt des neuen Bildarchivs. Und immer wieder der Gegensatz zwischen Stadt und Land, Arbeiter- und Agrargesellschaft, Armut und Reichtum.

Mehr als 5.000 dieser Aufnahmen wurden für das Projekt ausgewählt und innerhalb von vier Monaten digitalisiert, mit Metadaten versehen und online gestellt. Ohne die Fördermittel des Digitalprogramms WissensWandel des Deutschen Bibliotheksverbandes, als Teil des Rettungs- und Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, wäre diese Akkordarbeit nicht möglich gewesen. Zwei Projektkräfte haben Tag für Tag ausschließlich Bilder bearbeitet und das Archiv „Die junge Republik“ Stück für Stück aufgebaut.

In dem Bildarchiv gelangt man unter dem letzten Reiter „Junge Republik“ zu dem Digitalisierungsprojekt Alltag in der frühen Bundesrepublik: Das Bildarchiv des Fotografen Hans Lachmann (1920-2006). Die angelegte Struktur ist chronologisch gegliedert, über die Suchfunktion können dank der erfassten Metadaten aber auch verschiedene Themen aufgerufen werden. Die Bilder dürfen kostenfrei in verschiedenen Formaten und Auflösungen heruntergeladen werden und, wie erwähnt, unter den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz BY-SA 3.0 DE weiterverwendet werden.

Kontakt:
Evangelische Kirche im Rheinland
Landeskirchliches Archiv
Hans-Böckler-Straße 7
40476 Düsseldorf
Telefon 0211/4562-225
Fax 0211/4562-421
archiv@ekir.de
www.archiv-ekir.de

Quelle: Archiv der EKiR, Alltag in der jungen Bundesrepublik: Das Bildarchiv des Fotografen Hans Lachmann (1920-2006); Maike Schwaffertz: Neues Onlinebildarchiv – Die junge Republik in Bildern von Hans Lachmann, in: https://blog.archiv.ekir.de/, 31.8.2021; Hans Lachmann. Zeitgeschichte in Momentaufnahmen (DDB-Ausstellung des Archivs der EKiR)

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