Doppelausstellung zum 200. Todestag von Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo in Salzburg

Noch bis 28. Dezember 2012 ist im Archiv der Erzdiözese Salzburg und im Salzburger Landesarchiv die Doppelausstellung "Erzbischof Hieronymus Colloredo. Kirchenfürst und Landesherr" zu sehen. Anlass ist die 200. Wiederkehr des Todestages von Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo, des letzten als Landesherr regierenden Salzburger Erzbischofs. Im Archiv der Erzdiözese Salzburg steht Colloredo als Kirchenfürst und im Salzburger Landesarchiv als Landesherr thematisch im Mittelpunkt. Die Ausstellungen können während der Öffnungszeiten der Archive besichtigt werden.

Trotz seines scheinbaren Scheiterns hat Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo auf vielen Gebieten die Grundlage für Entwicklungen, die langfristige Wirkung zeigten und oftmals erst Jahrzehnte später realisiert werden sollten, gelegt. Die Doppelausstellung zeigt diesen Aspekt anhand exemplarischer Beispiele auf und leistet einen Beitrag, um das Wirken des Erzbischofs aus einem modernen Blickwinkel zu betrachten.

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Abb.: Plakat (links) und Teil der Ausstellung zu Erzbischof Colloredo im Foyer des Salzburger Landesarchivs (Foto: Land Salzburg)

Letzte kurze Blüte des Erzstifts Salzburg unter Colloredo
In der Regierungszeit von Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo (1772 bis 1803) erlebte das Erzstift Salzburg eine letzte, kurze Blüte, bevor es in den Wirren der Koalitionskriege für immer seine Selbstständigkeit als unabhängiges geistliches Fürstentum verlor. Daran konnten auch die an der Aufklärung orientierten Reformbemühungen des Erzbischofs nichts ändern. In diesem Zusammenhang kommt seiner Doppelfunktion als Landesherr und Kirchenfürst besondere Bedeutung zu.

Als Landesherr sind seine Bemühungen für ein modernes und damit gerechteres Steuerwesen (Hieronymuskataster) oder die von ihm initiierten Maßnahmen zur Verbauung besonders hochwassergefährdeter Flussläufe von Bedeutung. Auf dem Gebiet der Salzgewinnung und des Badewesens wurden unter ihm Impulse, deren Auswirkungen weit ins 19. Jahrhundert hineinreichten, gesetzt. Als Kirchenfürst hatten in erster Linie seine Bemühungen im Zusammenhang mit den "Emser Punktuationen", die vielfältigen Maßnahmen zur "Entbarockisierung" der Religionsausübung, die Reduktion der unzähligen Feiertage sowie, vor allem in den letzten Lebensjahren in Wien, sein Einsatz für die Erhaltung der Erzdiözese Salzburg nachhaltige Wirkung weit über seine Amtszeit hinaus.

Kontakt:
Archiv der Erzdiözese Salzburg
A-5020 Salzburg, Kapitelplatz 3
Tel. +43(0)662-8047-1500
Fax: +43(0)662-8047-1509
archiv@archiv.kirchen.net 
www.kirchen.net/archiv

Salzburger Landesarchiv
Michael-Pacher-Str. 40
A-5020 Salzburg
Tel. 0662/8042/4521 oder 4527
Fax: 0662/8042/4661
landesarchiv@salzburg.gv.at
www.salzburg.gv.at/archive

Quelle: Salzburger Landeskorrespondenz, 9.8.2012

Arm sein in Luzern

In der Reihe "Luzerner Historische Veröffentlichungen" erscheint ein weiterer Band, der 43. insgesamt und der siebte in der gemeinsamen Herausgeberschaft des Staatsarchivs Luzern und des Stadtarchivs Luzern: Stefan Jäggi, Arm sein in Luzern. Untersuchungen und Quellen zum Luzerner Armen- und Fürsorgewesen 1590-1593.

Ende Januar 1590 verabschiedete der Luzerner Rat die von Stadtschreiber Renward Cysat konzipierte neue Almosenordnung. Die Reorganisation der Armenfürsorge stand im Zusammenhang mit einer umfassenden Intensivierung, Normierung und Zentralisierung der obrigkeitlichen Herrschaft in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Fokus der vorliegenden Untersuchung mit einer umfangreichen Quellenedition stehen aber nicht die institutionellen und organisatorischen Aspekte der Fürsorge, sondern die Betroffenen: Aus den Jahren 1590-1592 haben sich in den Protokollen des Almosenrats detaillierte Listen der Almosenbezüger erhalten. Sie geben Aufschluss über die sozialen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und rechtlichen Lebensumstände vieler Stadtluzerner Familien und Einzelpersonen, die unterhalb oder an der Armutsgrenze lebten.

Unter Berücksichtigung weiterer Quellenbestände gewinnen wir Einblick in die Schicksale einer Bevölkerungsgruppe, wie es sonst in dieser Dichte nicht möglich ist: Alleinerziehende Mütter und Witwen mit kleinen Kindern, alte gebrechliche Frauen, kleine Handwerker und Tagelöhner mit gesundheitlichen Problemen, Jugendliche ohne Perspektiven, «working poor» – sie erhalten hier einen Namen und eine Biographie.

Der Stefan Jäggi-Ulrich, Jahrgang 1957, studierte Geschichte und Lateinische Literatur an der Universität Freiburg i. Üe. und promovierte in Mittelalterlicher Geschichte bei Carl Pfaff. Seit 1986 ist er im Staatsarchiv Luzern tätig. Seine Forschungsinteressen beziehen sich vor allem auf die Sozial- und Religionsgeschichte der Frühen Neuzeit.

Die Präsentation des neuesten Bandes der Reihe "Luzerner Historische Veröffentlichungen" findet am Montag, 20. August, um 17.00 Uhr, im Am Rhyn-Haus an der Furrengasse 21 in Luzern statt. Ruedi Meier, Sozialdirektor der Stadt Luzern, und der Autor Stefan Jäggi werden in das Thema einführen und über die Entstehung des Werks berichten.

Kontakt:
Dr. Jürg Schmutz
Staatsarchivar
Tel.: +41/41/228\’53\’62
juerg.schmutz@lu.ch
www.staatsarchiv.lu.ch

Quelle: Luzern, Pressemitteilung, 9.8.2012

156.000 Euro aus Brüssel für grenzüberschreitendes EU-Projekt von Archiven am Oberrhein

Mit 156.000 Euro fördert die Europäische Union im Rahmen des internationalen territorialen Programms INTERREG IV A Oberrhein das vom Stadtarchiv Speyer initiierte Projekt „Grenzüberschreitendes Netzwerk digitaler Geschichtsquellen: Archive als Gedächtnisse der historisch gewachsenen Landschaft Oberrhein“. Projektpartner aus der Pfalz, Baden und dem Elsass haben sich zum gemeinsamen Ziel gesetzt, das historische Gedächtnis des Oberrheingebiets virtuell wiederherzustellen. Das gemeinsame online-Portal startet seine „Gedächtnisarbeit“ mit Quellen aus dem Mittelalter und dem 16. Jahrhundert; auch die Zeit der Reformation soll abgebildet werden.

„Es gilt durch moderne Erläuterungen, Zweisprachigkeit und durch die neuen Medien, wie Digitalisierung, Onlineangebote, bilinguale Kommunikationsplattform, der Öffentlichkeit einen bislang nicht verfügbaren Zugang zu einem virtuellen Gedächtnis der Region Oberrhein zu bieten“, formuliert Dr. Joachim Kemper, Leiter des Stadtarchivs Speyer das Projektziel. Nicht nur Historiker, alle interessierten Bürger könnten das gemeinsame Kulturgutportal der Archive „befragen“. Netzwerk und Portal sollen dauerhaft offen sein für weitere Einrichtungen die oberrheinisches Kulturgut verwahren und vermitteln, seien es Museen, Archive, Bibliotheken oder auch Vereine.

Projektpartner
Zu den Speyerer Projektpartnern zählen das Stadtarchiv Freiburg, das die Rolle des Projektträgers übernommen hat, das Landesarchiv Baden-Württemberg (Generallandesarchiv Karlsruhe) und die beiden elsässischen Regionalarchive (Archiv des Départements du Haut-Rhin und des Départements du Bas-Rhin; Colmar bzw. Straßburg). Über zwei Dutzend weitere Vereine, Institute und Archive in Deutschland und Frankreich, aber auch in Österreich und der Schweiz, unterstützen das Projekt als zusätzliche Partner. Zu den Unterstützern vor Ort gehören das Bistumsarchiv Speyer, das Landesarchiv Speyer und der Historische Verein der Pfalz. Projektpartner ist auch das Heidelberger Institut für fränkisch-pfälzische Geschichte und Landeskunde.

Weitere Informationen:
http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1340577/index.html

Quelle: Regierungspräsidium Freiburg, Pressemitteilung, 31.7.2012; Stadt Speyer, Pressedienst.

Senftenberger Kinder erkunden das Stadtarchiv

13 Mädchen und Jungen begaben sich am 1. August 2012 im Rahmen des Senftenberger Agenda-Diploms auf Schatzsuche ins Stadtarchiv Senftenberg. Zunächst ging es dazu mit der zuständigen Mitarbeiterin Ines Jahn in den Keller des Rathauses.

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Abb.: Fleißige Entdecker beim Agenda-Diplom 2012 (© Stadt Senftenberg)

Vor dem Besuch des eigentlichen Archivs des Rathauses durften die Kinder auf eine spannende Entdeckungsreise in das Jahr 1757 gehen. Die Suche nach alten Schlössern, Mühlen, Brücken, vielen Teichen, Sümpfen oder sogar Schäfern, eingezeichnet auf jener alten Karte, begeisterte die jungen Forscher.

Die vielen historischen Ansichten, so auch mit einer Lok auf der Bahnhofstraße im Jahr 1934, brachten doch einige der Mädchen und Jungen zum Staunen. Im klimatisierten Rathausarchiv die Rollanlage dann auch einmal selbst in Bewegung setzen zu dürfen, verhalf zur Abkühlung und sorgte zudem für jede Menge Spaß. Der Einblick in alte Akten und Bücher durfte hierbei natürlich nicht fehlen.

Im Kleinen Ratssaal war es dann die Aufgabe der Mädchen und Jungen auf einem Stadtplan historische Ansichten und Gebäude einzuordnen. Mit Fleiß und gutem Wissen füllten sich die Stadtpläne aller mit bunten Illustrationen. Auch das Alphabet in Sütterlin-Schrift konnten die Mädchen und Jungen schreiben. Anschließend war es den Kindern dann möglich eine kleine Geschichte in Sütterlin zu lesen.

Gern können auch andere Kindergruppen in dieser Form das Stadtarchiv erkunden. Interessierte können sich für weitere Themen oder Fragen an Ines Jahn, die Mitarbeiterin des Stadtarchivs, wenden.

Kontakt:
Stadt Senftenberg
Markt 1
01968 Senftenberg
Telefon: 03573 701-0
Fax: 03573 701-107
www.senftenberg.de

Quelle: Stadt Senftenberg, 3.8.2012

Erinnerungen eines Eisenacher Polizisten auf Tonband

Das Stadtarchiv Eisenach hat jetzt eine Schenkung der besonderen Art erhalten. "Eine kleine Sensation", sagt Archivleiter Dr. Reinhold Brunner. Auf zwei CDs befinden sich Tonbandaufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Eisenacher Polizisten Gottfried Böhnhardt. "Dieses zeitgeschichtliche Dokument ist in höchstem Maß authentisch und vermittelt ein eindrucksvolles Bild wichtiger Geschehnisse in Eisenach zwischen 1900 und 1930", so Brunner. Die Schenkung stammt von Volker Reinhold, Enkel des Gottfried Böhnhardts. Reinhold wurde in Eisenach geboren und hat 1959 seinen Großvater über dessen Leben befragt und die Erzählungen auf Tonband aufgenommen.

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Abb.: Der Eisenacher Polizist Gottfried Böhnhardt (1877-1962)

Gottfried Böhnhardt, 1877 in Eisenach geboren, trat 1900 in den Eisenacher Polizeidienst ein. Seine Anstellung begriff er zeitlebens "nicht als Beruf sondern als Berufung". Höchst anschaulich schildert er auf Befragen seines Enkels seinen Werdegang. 1897 wurde er Soldat und bewachte unter anderem die Wartburg. Nach dem Militär entschied er sich für eine Polizeilaufbahn und wurde als Schutzmann bei den Eisenacher Behörden eingestellt. Böhnhardt stieg 1917 zum Wachtmeister, 1918 zum Oberwachtmeister, 1925 zum Kriminalkommissar und 1929 schließlich zum Polizeidirektor auf.

In seiner Jahrzehnte währenden Dienstzeit hat er viel erlebt. Lebhaft erinnerte er sich an die Ereignisse in Eisenach während der Revolution, an die Morde an der Frankfurter Straße im Frühjahr 1920 und an die Streiks in den großen Eisenacher Betrieben während des Kapp-Putsches. Detailgetreu berichtet Böhnhardt schließlich über seine Begegnung mit Adolf Hitler, der am 13. Januar 1927 in Eisenach auf einer Versammlung sprach. Der Kommissar hatte damals die Versammlung zu beaufsichtigen und über sie an seine Vorgesetzten zu berichten. Der schriftliche Bericht von 1927 ist überliefert. Vergleicht man ihn mit den Aussagen Böhnhardts von 1959, so erkennt man das gute und vor allem um Korrektheit bemühte Erinnerungsvermögen des Polizisten. Der Wert der mündlichen Quelle wird durch die schriftliche bestätigt. Mit den "neuen Herren", die seit 1933 das Land beherrschten, habe Böhnhardt "schwere Enttäuschungen" erleben müssen, weshalb er 1936 schließlich den Dienst quittierte.

Der Kommissar selbst, der so viel erlebt hatte, starb am 27. März 1962 in Eisenach. Seinem großartigen Gedächtnis und dem Geschichtsinteresse seines Enkels ist es zu verdanken, dass das Stadtarchiv nun über eine einmalige "sprechende Quelle" verfügt, die ein lebendiges Bild Eisenachs in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeichnet.

Kontakt:
Stadtarchiv Eisenach
Am Markt 24
99817 Eisenach
Telefon: 03691/670 132 -135
Fax: 03691/670913
archiv@eisenach.de

Quelle: Stadt Eisenach, Pressemeldung, 26.7.2012

Stadtarchiv Worms zeigt Fotoausstellung zu Nibelungenfestspielen 1937

Vor fast genau 75 Jahren, Ende Juni 1937, inszenierten die NS-Machthaber in Worms (unter Aufnahme örtlicher Pläne und älterer Ideen) erstmals "Nibelungenfestspiele", in deren Mittelpunkt die Aufführung von Hebbels "Nibelungen" im Festhaus im Beisein von hoher NS-Prominenz stand, inszeniert vom Hessischen Landestheater Darmstadt mit seinerzeit sehr bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern.

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Abb.: Stadtarchiv Worms, Fotoabteilung Szenenfoto Hebbels \’Nibelungen\‘ 1937 Worms, Inszenierung: Hessisches Landestheater Darmstadt (Foto: Stadt Worms)

Propagandaminister Joseph Goebbels war es, der diesen Rahmen, die sog. "Reichstheaterwoche", zu einer politischen Kundgebung nutzte. Erstmals 1914 hatte man an der Stadtspitze für die Zeit ab dem Folgejahr solche Theaterinszenierungen mit begleitendem Programm geplant, der Krieg warf die Pläne zurück und auch danach hatte man erst ganz andere Sorgen. Erst in den 1930er Jahren kamen die Ideen wieder auf die Tagesordnung, wurden dann aber sehr schnell von den Verantwortlichen der NS-Propaganda und -‚Kultur‘ von Berlin aus gesteuert. Bis 1939 hat man die jährlichen Aufführungen in ähnlicher Weise wiederholt und war bemüht, eine Tradition zu begründen.

Das Stadtarchiv Worms und das Jüdische Museum (Raschi-Haus) erinnern in einer Fotoausstellung (1.8. bis 31.8.2012) während der aktuellen Festspielzeit, die ja in der diesjährigen Inszenierung bewusst an die 1930er Jahre anknüpft, an diese Aufführungen. Im Mittelpunkt stehen Inszenierungsfotos, dazu kommen Programmhefte und Materialien zum politischen Rahmen.

Inhaber von Eintrittskarten der Festspiele haben während der Festspieltage (3.8. bis 19.8.2012) freien Eintritt in das Jüdische Museum, Öffnungszeiten Di bis So 10-12.30, 13.30-17 Uhr). Abendführungen zu der Ausstellung bei freiem Eintritt durch Archivleiter Dr. Gerold Bönnen mit Hintergrundinformationen zu den Festspielen der 1930er Jahre werden angeboten: Do 9.8. und Do 16.8.2012 jeweils um 18 Uhr.

Kontakt:
Stadtarchiv Worms / Jüdisches Museum
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Tel. 06241-8534707 oder 4701
stadtarchiv@worms.de
www.stadtarchiv.worms.de

Quelle: Stadt Worms, 30.7.2012

Übergabe der Sammlung Dr. Bernhard Schmidt ans Stadtarchiv Moers

Aktive Vernichtung und Kriegsschäden sind dafür verantwortlich, dass die NS-Zeit im Stadtarchiv Moers quasi kaum stattfindet – wäre da nicht Dr. Bernhard Schmidt mit seinen umfangreichen Forschungen. Knapp 40 laufende Meter umfasst seine Sammlung. Sie enthält u. a. Fotos, Flugblätter, Zeitungen, offizielle Schreiben und ca. 160 digitalisierte Ton- und Videodokumente. Seit mehreren Jahrzehnten hat sich Dr. Schmidt intensiv mit dem Nationalsozialismus in Moers und der Region beschäftigt. Seine Dokumente sind zum 1. Juli 2012 in den Besitz der Stadt übergegangen. Der entsprechende Vertrag „Depositum Dr. Bernhard Schmidt" war am 13. Mai 2008 geschlossen worden. Der Bestand verbleibt zunächst in der NS-Dokumentationsstelle des Eigenbetriebs Bildung der Stadt im „Weißen Haus" am Kastell. Der Pensionär führt seine Forschungen weiter und leistet dort ehrenamtlich auch wichtige archivpädagogische Arbeit.

Ehrliche gemeinsame Erinnerungskultur
„Das ist eine äußerst wertvolle Sammlung für die Geschichte der Stadt“, erklärte der Erste Beigeordnete der Stadt Hans-Gerhard Rötters bei der Übergabe. „Wir sind außerdem froh und glücklich, dass Dr. Schmidt und unser Stadtarchivar Christoph Spilling das Thema auch in Zukunft weiter bearbeiten.“ Nur so könne eine ehrliche gemeinsame Erinnerungskultur entstehen. Dabei sollen wichtige Zeugnisse der jüngeren Vergangenheit für weitere Arbeiten zugänglich gemacht werden, um über eine selbstkritisch betriebene Heimatgeschichte aus der Vergangenheit entsprechende Lehren zu ziehen. In der Praxis arbeitet die NS-Dokumentationsstelle daher besonders mit Jugend und Schule zusammen. Enge Partner sind beispielsweise die Initiative „Wir sind bunt, nicht braun“, „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“, der „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ oder „Erinnern für die Zukunft e.V.“. „Wichtig ist uns, dass diese Erinnerung öffentlich und erlebbar ist“, stellt der stellvertretende Vorsitzende Reinhard Weichelt heraus.

Arbeiten mit Schulen und Schülern
Immer wieder bestätigen auch Lehrer, wie wichtig der örtliche Bezug bei der Behandlung von NS-Themen im Unterricht ist. „Neben Internet und Büchern lernen die Schüler hier weitere Recherchemöglichkeiten kennen“, berichtet Dorothea König vom Gymnasium in den Filder Benden. Sie hat mit 32 Schülern über Moerser Dokumente des Jahres 1933 mit Archiv und NS-Dokumentation zusammengearbeitet. Die Schülerin Nina Kalinowski vom Amplonius-Gymnasium Rheinberg schrieb eine Facharbeit über Lebens- und Arbeitsbedingungen von Zwangsarbeitern in Rheinberg. Auch sie war begeistert über die Möglichkeit, sich aktiv mit Geschichte auseinandersetzen zu können.

Kontakt:
Stadtarchiv Moers
Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum
Wilhelm-Schroeder-Straße 10
47441 Moers
Telefon: 0 28 41 / 201-737
Telefax: 0 28 41 / 201-760
Stadtarchiv@moers.de

Quelle: Stadt Moers – Pressestelle, Pressemeldung, 25.7.2012

Stadtarchiv Essen erhielt Zechenzeitung der Jahrgänge 1935 bis 1939

Am 25. Juli 2012 erhielt das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen von Günter Napierala die Zechenzeitung der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien-Gesellschaft, Gruppe Gelsenkirchen, der Jahrgänge 1935 bis 1939 zum Geschenk. Die Werkszeitschrift enthält zahlreiche Artikel zum Geschehen auf den Zechen Zollverein und Bonifacius und zum Leben im Essener Norden. Sie ist eine wichtige Quelle zur Essener Stadtgeschichte. Besonders wertvoll ist die Schenkung auch deshalb, weil die Zechenzeitung wohl nirgendwo anders überliefert ist.

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Abb.: Zechen-Zeitung, 11. Jg., Ausgabe vom 22.6.1935 (Stadtarchiv Essen)

Kontakt:
Haus der Geschichte / Stadtarchiv
Ernst-Schmidt-Platz 1
45128 Essen
Telefon: 0201/88 41300
Fax: 0201/88 41313
hdeg@essen.de
www.essen.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Essen, Pressemeldung, 26.7.2012

Grundsteinlegung für den Neubau des Staatsarchivs Landshut

Am 20. Juli 2012 fand durch den bayerischen Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau des Staatsarchivs Landshut statt. Das Staatsarchiv Landshut übernimmt archivwürdige Unterlagen von sämtlichen Behörden, Gerichten und sonstigen öffentlichen Einrichtungen im Regierungsbezirk Niederbayern und verwahrt derzeit 18 Kilometer Archivgut bei einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von rund 400 Metern.

Mit dem Neubau des Staatsarchivs Landshut an der Ecke Schlachthofstraße / Stethaimerstraße im Stadtviertel Nikola wird der traditionelle Sitz des niederbayerischen Staatsarchivs auf der Burg Trausnitz aufgegeben, der nicht mehr den Anforderungen eines modernen Archivs entspricht. 1991 war bereits ein Neubau für das Staatsarchiv Landshut geplant. Die tatsächliche Umsetzung wurde aber im Jahr 1996 noch nach Fertigstellung der Haushaltsunterlage Bau zurückgestellt. Erst im Oktober 2008 konnten die Planungsarbeiten wieder aufgenommen werden, und im März 2010 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtages schließlich die Baumaßnahme.

Zahlen und Fakten:

  • Bauherr: Freistaat Bayern
  • Planendes Architekturbüro: Prof. Dr. Rudolf Hierl BDA BWB, München
  • Projektsteuerung und Bauleitung: Staatliches Bauamt Landshut
  • Genehmigte Baukosten: 24,25 Millionen Euro
  • Grundstücksfläche: 4408 Quadratmeter, bebaut mit einem L-förmigen Baukörper, der auf 205 Bohrpfählen ruht; zur Schlachthofstraße platzförmige Ausweitung des Straßenraumes
  • Geplante Fertigstellung: Jahresbeginn 2015

Kontakt:
Staatsarchiv Landshut
Burg Trausnitz, 84036 Landshut
Tel. 0871/92328-0
Fax 0871/92328-8
poststelle@stala.bayern.de
http://www.gda.bayern.de/archive/landshut/

Quelle: Staatliche Archive Bayerns, Aktuell, Juli 2012.

Herausforderungen für den Steinfurter Stadtarchivar

Seit März 2012 ist der 33-jährige gebürtige Paderborner Daniel Schulte Stadtarchivar von Steinfurt. Vor seinem Wechsel in die Kreisstadt arbeitete der Diplom-Archivar fast zehn Jahre lang im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen in Münster. Dort betreute er rund 80 Behörden aus der Justiz- und Finanzverwaltung und war für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In seinem nunmehrigen größeren Verantwortungsbereich verfügt der Archivar über vielfältigere Aufgaben und mehr Gestaltungsspielraum, wofür allein schon das bis 1359 zurückreichende Archivgut sorgt.

Den Zustand des Archivs empfand der Steinfurter Stadtarchivar daher bei seinem Amtsantritt als gleichermaßen "reizvoll" wie auch "schockierend". Denn viele Akten zerfallen aufgrund ihres hohen Säuregehalts. Hinzu kommt die Platznot des Stadtarchivs Steinfurt, an deren Lösung schon seine Vorgänger Dr. Ralf Klötzer und Achim Becker regelmäßig scheiterten. Auch die Temperaturschwankungen im ehemaligen Behördenhaus wirken sich nachteilig auf Personal und Material aus.

Die Bestandserhaltung stellt daher die große Herausforderung dar, einhergehend mit Überlegungen zur Digitalisierung. Dies betrifft vorrangig die rund 18.000 Fotos des Steinfurter Stadtarchivs, die von einer Ein-Euro-Kraft eingescannt werden. Die finanzielle Lage der Stadt Steinfurt lässt keinen Spielraum für zusätzliches Fachpersonal.

Das Stadtarchiv ist eine öffentliche Einrichtung und Teil der Steinfurter Stadtverwaltung. Es unterhält eine Archivbibliothek, sammelt die für die Geschichte und Gegenwart der Stadt und ihres Umlandes bedeutsamen Dokumentationsunterlagen (Bild- und Schriftgut, Karten, Pläne, Ton- und Datenträger usw.) und fördert die Erforschung und Kenntnis der Stadtgeschichte durch Beratung, Auskünfte, Veröffentlichungen, Ausstellungen und in anderer geeigneter Form.

Kontakt:
Stadtarchiv Steinfurt
An der hohen Schule 13
D-48565 Steinfurt
Telefon: 02551-919742
Telefax: 02551-919743
schulte@stadt-steinfurt.de

Quelle: Christian Bödding, Ruhrnachrichten, 6.7.2012