Film über die Ausbildung der Hessischen Schutzpolizei von 1925 entdeckt

Hochexplosiver Sensationsfund

Im Keller der Polizeiakademie Wiesbaden wurden im Rahmen einer Sichtung der Altakten durch das Hauptstaatsarchivs Wiesbaden fünf Filmrollen entdeckt, die sich als spektakulärer Fund erwiesen.

Abb: Ausbildung der Hessischen Schutzpolizei, 1925 (HStAD G 12 A Nr. 46 bis 50), © Digitales Archiv Hessen

Zwar lieferten die unleserlichen Aufschriften keine Hinweise auf den Inhalt der Filme, es war aber anzunehmen, dass es sich aber um sog. Nitrofilme handelt. Die Schichtträger dieser Filme sind auf Zellulosenitratbasis aufgebaut. Bei der Zersetzung entwickeln sich nitrose Gase, die nicht nur giftig, sondern auch höchst feuergefährlich sind. Diese sind nicht löschbar, da während der Verbrennung Sauerstoff freigesetzt wird. Nitrozellulose wurde in Deutschland von etwa 1890 bis in die 1950er Jahre u.a. für die Emulsion von Film- oder Bildnegativen verwendet. Durch die Freisetzung von Säure kann sie auch umliegende Stoffe angreifen und muss daher – nicht nur aufgrund der Möglichkeit der Selbstentzündung – separat gelagert werden. Das Hauptstaatsarchiv Wiesbaden entschied sich daher für die zügige Digitalisierung der Filmrollen durch das Digitale Archiv Hessen.

Die Identifizierung der Filmaufnahmen gestaltete sich als schwierig: Die fünf Filme ohne Ton zeigen sportliche Trainingseinheiten, Übungen zur Nutzung von Gewehren und dem Bau von einfachen Wasserfahrzeugen sowie militärische Übungen wie z.B. Handgranatenwurf.

Anhand der gezeigten Gebäude, Filmszenen und Kleidungsstücke wurde eine zeitliche und räumliche Einordnung versucht. Schließlich stellte man fest, dass in der Publikation „Die Hessische Schutzpolizei“ von 1925 (hrsg. von Karl Schröder und Otto Schmidt) Gebäude sowie das Logo der im Film zu sehenden Sportkleidung „H/P“ abgebildet sind und auch derartige Übungen erwähnt werden. Bei den Gebäuden handelt es sich um die Schrautenbach-Kaserne und die Trainkaserne in Darmstadt, die als Ausbildungsstätte der Landespolizeischule dienten. Die Filme sind somit ein bedeutendes Zeugnis zur Polizeigeschichte, das in hervorragender Qualität einen Einblick in die Ausbildung der Polizei im Volkstaat Hessen vor rund 90 Jahren gibt.

Die feuergefährlichen Nitrofilme wurden zur besseren und sichereren Lagerung an das Filmarchiv des Bundesarchivs abgegeben. Der digitalisierte Film ist inzwischen erschlossen und kann im Staatsarchiv Darmstadt eingesehen werden. Ein kurzer Trailer mit Szenenausschnitten kann hier auf der Website und auf dem Youtube-Kanal des Hessischen Landesarchivs eingesehen werden.

Links:
Website: Trailer Polizeifilm
Youtube: Trailer Polizeifilm

Kontakt:
Hessisches Hauptstaatsarchiv
Mosbacher Str. 55
65187 Wiesbaden
Tel.: 0611/881-0 /
Fax: 0611/881-145
poststelle@hhstaw.hessen.de

Quelle: Maria Kobold, Newsletter HessenArchiv aktuell 02/2017, Seite 4

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